Das tote Autotelefon

„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

Wahrscheinlich kennst du das Zitat von Tyler Durden (Brad Pitt) aus dem Film Fight Club. Und selbst wenn du den Film nicht gesehen hast – das Zitat hast du schon hundertfach auf Facebook & Co. gesehen.

Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Eine peinliche, aber wahre Geschichte. Von mir selbst.

Wahrscheinlich die peinlichste, die ich bisher hier im Blog erzählt habe – zumindest empfinde ich sie so. Ich habe sie noch nie irgendwo erzählt.

Los geht’s.

Es muss Mitte/Ende der 1980er gewesen sein. Handys gab es noch nicht – zumindest nicht für den Massenmarkt. Aber ein Autotelefon? Das war cool.

Ich habe damals als Werbemittelhersteller bei einem großen Verlag gearbeitet. Wir hatten so eine Art „Poolfahrzeug“ – ein Firmenauto, das nicht für eine einzelne Person reserviert war, sondern das man für Besorgungsfahrten oder ähnliches benutzen durfte. Ich war öfter mal unterwegs zu Druckereien oder Satzbetrieben, und dafür habe ich oft dieses Auto genommen.

BTW: In dem Auto war ein Autotelefon eingebaut. Allerdings war es nicht angeschlossen. Ich weiß nicht, ob das damals schon mit einer SIM-Karte gemacht wurde – auf jeden Fall war keine drin. Es war halt da. Hat aber nicht funktioniert.

Nun ja. Wenn ich unterwegs war, habe ich es öfter mal „benutzt“. Also: Den Hörer ans Ohr gehalten und so getan, als ob ich telefoniere. Vorzugsweise dann, wenn ich auch von anderen wahrgenommen werden konnte. Im Stadtverkehr. Auf Parkplätzen.

Aber jetzt kommt der eigentliche Wahnsinn: In den allermeisten Fällen waren das Menschen, die ich nicht mal kannte. Die haben gar nicht mitbekommen, was ich da tat. Oder es war ihnen scheißegal. Keiner hat gesagt: „Wow, du hast ein Autotelefon!“ Ich bin nicht in irgendeiner Rangordnung aufgestiegen. Kein Rudel hat mich als Alpha anerkannt.

Doppelt peinlich: Ich habe nicht mal jemanden beeindruckt. Nur mich selbst zum Deppen gemacht.

Heute denke ich mir: „Meine Fresse, wie krank im Kopf kann man sein…“

Nö. Stimmt nicht. So etwas habe ich lange über mich gedacht. Heute denke ich eher mit etwas Bedauern: Schade, dass ich nicht schon viel früher solchen Blödsinn erkannt und abgestellt habe.

Auch heute noch spüre ich manchmal diese Neigung zum Angeber. Dann kommt sofort der Gedanke: „Aha, da ist es wieder.“

Zum Glück brauche ich das nicht mehr, um mich wertvoll oder anerkannt zu fühlen.

Ein toteres Autotelefon geht auch so. 😉

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