19 Klienten
Ich habe an einer Studie teilgenommen: „Leben in Deutschland“. Eine richtige Studie von einem richtigen Meinungsforschungsinstitut. Kein Genöle nach fünf Bier in der Kneipe.
Stattgefunden hat das als Online-Gesprächsrunde über etwa zwei Stunden. 20 Teilnehmer. Ich war der Älteste. Eine Teilnehmerin war knapp 50, alle anderen unter 35.
Und ich war der Einzige, der irgendwie positiv-optimistisch war. 🤣🤣
Kein Einziger der anderen hat mit Zuversicht in die Zukunft geschaut. Ob die Regierung unsere derzeitigen Schwierigkeiten in den Griff bekommt? Bewältigen wir den Klimawandel – und wie? Könnte sich der Ukraine-Konflikt ausweiten? Preissteigerungen, Inflation – vor allem beim Sprit, aber auch generell?
Warum mich das so nachdenklich gemacht hat – ja, fast schon schockiert hat?
Na ja, das waren zum allergrößten Teil ziemlich junge Menschen. Unter 35.
An drei kann ich mich besonders erinnern, weil sie auch recht aktiv in der Runde waren: eine 24-jährige Studentin. Ein leitender Angestellter mit der Verantwortung für über 100 Mitarbeiter. Ein Dritter erzählte, dass er sehr gut verdient und unter anderem einen Geschäftswagen hat – ihn also die Entwicklung der Benzinpreise relativ wenig jucken muss.
Junge, erfolgreiche Menschen, die doch eher grundsätzlich optimistisch sein müssten?
Warum schauen Menschen, die noch so viele Möglichkeiten vor sich haben, bereits so skeptisch auf ihre Zukunft?
Wenn ich als alter Sack mir doch eher die Frage stellen müsste: „Rente … und dann? Seniorensportverein ‚Turne bis zur Urne‘?“
Was ist denn unser Lebensziel? Egal, wie man es im Einzelnen sieht – letztlich doch ein glückliches, zufriedenes Leben zu führen, oder?
Wird schwierig mit der Einstellung: Alles Scheiße. Alles perspektivlos. Alles Probleme, an denen wir wahrscheinlich Donnerstag nächster Woche elendig krepieren werden.
Ich bin kein Verfechter der Positiv-Denken-Fraktion. Aber es gibt eine Frage, die man sich stellen kann – eine Frage, die ich gerne im Mentoring stelle und die oft eine fast zauberhafte Wirkung auslöst:
Wie sehr hat die hohe Relevanz dieses Themas in der Vergangenheit dazu geführt, dass du ein gutes Leben hattest? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal besser funktioniert?
Die Frage kannst du dir bei kleinen oder großen Themen in deinem Alltag stellen.
Wie sehr hat das in der Vergangenheit dazu geführt, dass du ein gutes Leben hattest? Die Antwort lautet in den allermeisten Fällen: 0,0!
Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal besser funktioniert?
Gerade fällt mir noch ein: Schade, dass ich nur die Vornamen der Teilnehmer hatte.
Eigentlich wären das 19 Klienten für mich.
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