Der schnellste Weg ins Verderben
Mir wurde gerade ein Beitrag auf LinkedIn vorgeschlagen – und ich habe ihn gelesen.
Kurz zusammengefasst: Ein junger Mann hat über zwei Jahre 20.000 Mails verschickt (ich vermute Akquise-Nachrichten) und ebenso viele Absagen bekommen. Seine Erkenntnis: Ich bin nicht gut genug. Sein Plan: Ich muss so unheimlich gut werden, dass ich der Beste bin.
Mein erster Gedanke: Ich muss gleich kotzen.
Mein Vater sagte in meiner Kindheit so Sachen wie „Aus dir wird mal eh nichts.“
Das sitzt. Und zwar tiefer als 20.000 Absagen. Vor allem, wenn du ein Kind bist.
Während der Ausbildung zum Drucker sagte der Meister dann zu mir: „Dann beweise ihm das Gegenteil.“
Und ich dachte: Ja. Geile Idee, das mache ich. Damit trete ich dem Alten ordentlich in den Arsch.
Was ich damals nicht verstanden habe: Damit hatte ich nicht gelernt, dass ich gut genug bin.
Ich hatte gelernt, dass ich beweisen muss, dass ich gut genug bin.
Und das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.
Also habe ich bewiesen.
Ich habe gearbeitet.
Ich habe mich hochgearbeitet.
Ich habe Unternehmen aufgebaut.
Ich habe Geld verdient – viel Geld.
Ich habe immer wieder neue Herausforderungen gesucht.
Und wenn ich etwas erreicht hatte?
Dann musste das nächste Ziel her.
Denn irgendwo darunter saß weiterhin dieser alte Satz:
„Du bist nicht gut genug.“
Das Verrückte daran: Du kannst mit so einem Satz im Rücken unglaublich erfolgreich werden.
Er treibt dich an.
Er macht dich diszipliniert.
Er sorgt dafür, dass du niemals aufgibst.
Und genau deshalb ist er so verdammt gefährlich.
Denn irgendwann merkst du wahrscheinlich: Ich bin erfolgreich. Aber ich bin trotzdem nicht glücklich.
Nicht, weil mit deinem Erfolg etwas nicht stimmt.
Sondern weil du deinen Erfolg für etwas benutzt hast, wofür er gar nicht gemacht ist: um dir selbst deinen Wert zu beweisen.
Nur funktioniert das nicht.
Du kannst zehnmal gewinnen und dich trotzdem wie ein Verlierer fühlen.
Du kannst Millionen verdienen und dich trotzdem nicht reich fühlen.
Du kannst von anderen bewundert werden und dich innerlich trotzdem klein fühlen.
Denn die Frage ist nicht: „Was habe ich erreicht?“
Die viel unbequemere Frage lautet: „Was müsste ich noch erreichen, damit ich endlich glaube, dass ich gut genug bin?“
Und wenn die Antwort lautet: „Noch dieses eine.“
Dann kommt danach wahrscheinlich das nächste.
Und danach das nächste.
Bis du irgendwann merkst:
Du bist dein ganzes Leben gerannt.
Aber eigentlich wolltest du nie irgendwohin.
Du wolltest nur endlich ankommen.
Bei dir.
Dich gut genug fühlen.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Erfolg und einem erfüllten Leben.
Dir hat der Artikel gefallen? Dann registrier dich kurz – ich schicke dir höchstens einmal pro Woche eine Benachrichtigung, wenn neuer Lesestoff da ist.
