Knüller oder Falter?
Statistisch gesehen bevorzugt die absolute Mehrheit in Deutschland das Falten.
Etwa 70% in Deutschland sind Falter: Sie falten das Papier sauber und effizient – Kante auf Kante. Sie schätzen die Kontrolle, sparen Material und haben seltener mit verstopften Rohren zu kämpfen.
Die Knüller knüllen das Papier spontan zu einer Kugel zusammen. Diese Methode geht am schnellsten, verbraucht aber meist mehr Papier.
Und dann gibt es noch die Wickler. Sie wickeln sich das Papier mehrmals um die Hand – für ein besonders sicheres Gefühl.
Von was rede ich eigentlich?
Ein Scheiß-Thema. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht um die Nutzung von Klopapier. Wie wir es benutzen.
In den USA ist es übrigens ziemlich genau andersrum – da ist die große Mehrheit Knüller.
Häää, wieso das denn?
Die Technik wird von dir als Kind unbewusst von deinen Eltern übernommen. Du erlebst sie, wenn sie dir als Baby und Kleinkind das Popöchen reinigen – und wenn sie dir helfen, wenn du es die ersten paar Male alleine machst. Und so lernst du, wie es richtig funktioniert.
Das nennt man auch: Konditionierung.
Was mich zu meinem eigentlichen Thema führt: De-Konditionierung.
Ein schöner Begriff, den ich in einem Human Design Kurs kennengelernt habe.
Wir werden nicht nur konditioniert, wie wir das Klopapier benutzen – sondern von klein auf in allen Bereichen unseres Lebens.
Wie wir zu sein haben: brav und gehorsam.
Was richtig und was falsch ist bei dem, was wir tun: keinen Lärm machen, nichts kaputt machen.
Was wir haben müssen: erst mal gute Noten, später einen guten Beruf und viel Geld.
Dazu kommen die Anforderungen von Freunden, Schulkameraden, Lehrern: „So und so verhält sich ein guter Freund, Schüler, Kumpel …“
Ich erinnere mich gerade an das eine oder andere Führungskräfte-Seminar während meiner Zeit im Verlag. Was ich so alles über Kindererziehung gelesen und gelernt habe – wie denn ein Vater sein muss. Was meine erste Freundin wollte, wie ich sein soll …
Usw. usw. usw.
Bis dahin, was die Welt von dir erwartet, wie du dich als älterer Mensch zu kleiden und zu benehmen hast.
Was für eine Scheiße ist das eigentlich?
Warum wird uns eigentlich so gut wie nie gelehrt, dass wir mal in uns reinfühlen sollen – wie wir wirklich sind oder sein wollen?
De-Konditionierung ist genau das, was ich mit mir selbst mache. Und auch in meinem Mentoring. Die Befreiung von alten Annahmen, Mustern und Anforderungen, die uns heute das Leben schwer machen.
Ich war als Kind eher introvertiert, ich war schwierig. Wenn wir zum Baden an den See gegangen sind, wollte ich mich nicht umziehen. Ich wollte nicht mit anderen toben – lieber an meine große Schwester kuscheln.
Kuscheln? Du bist ein Bub, das geht doch nicht! Bist du schwul?
Später habe ich es genossen, mit meinen Kindern auf der Couch vor der Glotze zu kuscheln und dabei einzuschlafen.
Ein Freund musste, schon als junger Mann in den 20ern, nach dem Schlaganfall seines Vaters das elterliche Unternehmen übernehmen. Eine Druckerei – entgegen der landläufigen Meinung nicht sonderlich kreativ. Verkaufsdruck, Zahlen, Daten, Fakten. Er war eigentlich ziemlich erfolgreich – hat das Unternehmen von einer kleinen Druckerei mit damals um die 15 Mitarbeiter zu einer Gruppe mit mehreren Druckereien und mehreren hundert Mitarbeitern gemacht.
Und er hat sich in seinen 40ern das Leben genommen.
Er war nie glücklich, er hatte nie wirklich Freude an seinem Leben. Er war eher ein Kreativer, ein Künstler, Musiker und Maler – kein Drucker.
Wie viele Menschen sich heute Abend wohl besaufen, weil sie nicht glücklich sind in ihrem Leben? Oder kiffen, oder Tabletten nehmen? Oder sich in Krankheit flüchten, um nicht mehr im ungeliebten Job ihr Leben zu fristen?
Vermutlich ziemlich viele und die meisten wissen gar nicht mal warum.
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