|

Sag mal, was ist eigentlich los mit euch?

Oder: Warum ich auch der Feuerwehr keine Rechenschaft schuldig bin.

Letztes Wochenende hatten wir eine Gruppe von etwa 25 Leuten im Hotel von einer freiwilligen Feuerwehr. Die haben sich krass die Kante gegeben. Teilweise schon morgens den Tag mit einem ersten Bier begonnen. Und in dem Zustand waren sie dann nachts unterwegs.

Einer von den Jungs hat mich dann gegen 3:00 morgens eingeladen, mit zu trinken. Habe ich abgelehnt, mit dem kurzen Hinweis, dass ich gar keinen Alkohol trinke.

Dann hat er mich gefragt, warum ich denn keinen Alkohol trinke.

Ich habe zurückgefragt: Wie er denn auf die Idee kommt, dass ich ihm da Rechenschaft schuldig bin?

Einfach weil mir das tatsächlich immer auf den Sack geht. Speziell in Deutschland. In Deutschland gilt man fast als unnormal, wenn man kein Nervengift trinkt – an dem jeden Tag ca. 120 Menschen, teils elendig, verrecken.

In Griechenland und Zypern fragt dich das so gut wie niemand. Nach dem Essen wirst du gefragt, ob du einen Raki willst. Wenn du Nein sagst, gibt es halt etwas Kuchen oder Obst als Absacker. Warum? Die trinken da auch Alkohol – zwar nur etwas mehr als die Hälfte von dem, was in Deutschland getrunken wird (berechnet am Pro-Kopf-Konsum). Aber keiner rechtfertigt sich.

Und was ich schon zweimal nicht verstehe: Wie ausgerechnet Leute einer freiwilligen Feuerwehr – die vermutlich oft genug Unfallopfer aus Autos schneiden müssen, bei denen der Unfall im Zusammenhang mit Trunkenheit am Steuer passiert ist – wie ausgerechnet die sich so hemmungslos die Birne zuschütten? Und dann noch fragen, warum du nicht säufst?

Also ich habe ja selbst über Jahrzehnte gesoffen, und nicht wenig, wie ich schon hin und wieder geschrieben habe. Aber ich habe das schon damals nicht verstanden.

Kann mir das bitte jemand erklären?

Was ist los mit euch?

P.S.: Ich schulde übrigens auch niemandem eine Erklärung, warum ich keinen Alkohol trinke. Nicht der Feuerwehr. Nicht der Verwandtschaft. Nicht dem Kellner. Und schon gar nicht irgendeinem Typen um 3 Uhr morgens im Hotel.

Alkohol ist eine Entscheidung. Meine.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Keiner sagt was

    Trinke ein Bier zum Feierabend – und keiner sagt ein Wort.Trinke eine Cola Zero zur Erfrischung – und alle warnen dich vor Krebs. Weiß gar nicht mehr, aufgrund welcher Diskussion mir neulich eingefallen ist, dass ich – außer durch meine Frauen – jemals auf meinen Alkoholkonsum angesprochen wurde. Also so ein richtiges: „Meinst net, dass’d a…

  • |

    Vier von hundert

    Gibt gerade so eine Diskussion über Ziele setzen in einer Neurohacking-Community. Sich ein „Everest-Ziel“ zu setzen, soll ja jetzt das Beste sein. Außerdem ist die Zielerreichung wohl um einen Prozentpunkt besser, wenn man an einem definierten Datum startet … Das wurde in einem Feldversuch getestet. Ergebnis: Knapp drei von hundert ohne definiertes Startdatum haben ihr Ziel erreicht. Bei der…

  • | |

    Knüller oder Falter?

    Statistisch gesehen bevorzugt die absolute Mehrheit in Deutschland das Falten. Etwa 70% in Deutschland sind Falter: Sie falten das Papier sauber und effizient – Kante auf Kante. Sie schätzen die Kontrolle, sparen Material und haben seltener mit verstopften Rohren zu kämpfen. Die Knüller knüllen das Papier spontan zu einer Kugel zusammen. Diese Methode geht am schnellsten, verbraucht aber…

  • | |

    Meine letzte Zigarette

    Meine letzte Zigarette ist schon eine Weile her – nämlich der 03. Oktober 1988. Warum ich das so genau weiß? Es war genau ein Jahr, bevor die DDR die Grenze zur Tschechoslowakei schloss – was in der Folge einen Monat später zum sogenannten Mauerfall führte. Dem Alkohol habe ich Mitte Januar 2020 endgültig Adé gesagt….

  • | |

    Vier Bedingungen für echte Veränderung

    Ich habe oft den Eindruck, dass es einen gewissen Frust – oder auch Widerstand – gegenüber Coaching und Mentoring gibt. Das hat aus meiner Sicht zwei Ursachen: Auf den zweiten Punkt will ich hier mal genauer eingehen: Warum scheint dauerhafte Veränderung so selten zu gelingen? Die Rückfallquoten sprechen eine deutliche Sprache: Keine sehr vertrauenerweckenden Zahlen….