I had a dream
Mitte Januar 2021 – ich glaube, es war der 17. oder 18. – sagte ich dem Alkohol für immer Adé. Da war ich knapp 60. Angefangen, recht regelmäßig zu saufen, habe ich so mit 14 oder 15. Einige Berührungen mit Alkohol hatte ich schon vorher, meinen ersten Vollrausch hatte ich mit etwa acht oder neun.
Ab und zu fragen mich Menschen, wie es dazu kam – also mit dem Aufhören – insbesondere diejenigen, die mich als eher trinkfreudigen Zeitgenossen kannten.
Ich hatte einen Traum
Der Traum an sich war jetzt nicht sooooo aufregend. Ich war auf einem Volksfest-Klo, so ein typischer Container halt, und stand mit meiner Freundin am Handwaschbecken (okay, etwas ungewöhnlich für ein Männerklo, aber so etwas gibt’s ja manchmal auch im echten Leben). Direkt daneben war eine Reihe Pissoirs, fast ganz am Ende stand ein einzelner, betrunkener Mann und verrichtete sein Geschäft.
Er drehte sich vom Pissoir weg, strauchelte dabei wohl, verhedderte sich im Suff mit seinen eigenen Füßen und fiel seitlich auf den Kopf – volle Kanne, mit einem sehr lauten, hässlichen Geräusch, ohne eine Abwehrbewegung.
Danach lag er auf dem Boden, gab eigentlich keine Geräusche mehr von sich, machte nur noch Mundbewegungen, ähnlich wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Ich wollte meine Freundin zu ihm schicken und selbst Hilfe holen, aber sie wollte nicht mit ihm allein bleiben. Also bin ich zu ihm hingegangen, und meine Freundin ist Hilfe holen gegangen. Da ich ja auch keine Ahnung hatte, habe ich nur versucht, ihn zu beruhigen, und ihm die Hand gehalten.
Ich habe beruhigend auf ihn eingeredet. Eine direkte Reaktion kam aber nicht mehr.
Relativ schnell kam eine junge Ärztin mit blonden, kurzen Haaren, die irgendwie schnippisch und uninteressiert wirkte. Ich habe versucht, ihr ein bisschen zu erklären, was passiert war – dass er beim Sturz keine Abwehrbewegung gemacht hatte. Aber sie reagierte auch darauf nicht weiter.
Sie stellte dann letztlich nur seinen Tod fest. Als ich sagte, dass er aber meine Hand genommen hatte, meinte sie, das wären wahrscheinlich eher letzte Reflexe gewesen.
Dann wurde ich wach …
Der Traum selbst war nicht sonderlich aufregend, aber er hat mir zu denken gegeben. Ich bin selbst auch schon im Suff aus den Latschen gekippt – einmal auch im Klo (ich war allein zu Hause), wo ich mir später auch dachte: Da hätte ich mir am Waschbecken oder auf dem gefliesten Boden den Schädel einschlagen können. Ein anderes Mal habe ich Kerzen brennen lassen und bin ins Bett; am nächsten Morgen waren sie heruntergebrannt – aber wenn da vielleicht eine Tischdecke oder etwas anderes brennbares gelegen hätte …
Interessant auch, dass ich solche Sachen ja schon mehr oder weniger aus der Nähe gesehen habe. Mein Vater ist am Alk verreckt – anders kann man es nicht nennen –, ein Freund ist am eigenen Erbrochenen erstickt. Während der Ausbildung zum psychologischen Berater (HP psych.) haben wir Schulungsfilme mit Patienten im Delirium tremens gesehen, eine gute Freundin hat auf der Intensivstation gearbeitet, wo viele Alkis ihre letzten Stunden verbracht haben … Es hat mich scheinbar alles nicht so beeindruckt wie dieser Traum.
Naja, und das ging mir halt den ganzen Tag durch den Kopf – und seitdem habe ich nichts mehr getrunken. Ich hatte auch nie mehr Verlangen danach, nicht im Geringsten. Auch hatte ich keine Entzugserscheinungen – bei früheren Versuchen hatte ich welche, die fast schon an ein Delirium grenzten. Ich würde mir heute zwar durchaus gestatten, mal etwas zu trinken, zum Beispiel bei Feiern, aber wenn sich eine Gelegenheit bot, habe ich trotzdem nie etwas getrunken.

Krass, dass Dich ausgerechnet dieser Traum dazu brachte, nicht mehr zu trinken. Wundervoll, wie das Unterbewusstsein zu uns sprechen kann.
Ich habe Alkohol nie gut vertragen. Sonst wäre es vielleicht auch bei mir schlimmer geworden.
Meine Mutter war Alkoholikerin mit eigener Kneipe. Das hat mich auch etwas geprägt
Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Tanja ♥
Ja, ich finde das auch krass, nachdem ich selbst und mit Freunden und Bekannten da einiges negatives erlebt habe. Mein Vater war auch schwerer Alkoholiker, wurde aus der Entzugsklinik geworfen, weil er mit Schnaps im Zimmer erwischt wurde… kurz darauf ist er verstorben. Hat mich alles nicht abgeschreckt, erst dieser Traum hat irgendwas in mir verändert.