Missbrauch

Derzeit ist ja wieder viel von sexuellem Missbrauch von Mädchen und Frauen die Rede. Jeffrey Epstein, Collien Fernandes, MeToo & Co.

Was dabei untergeht: Dass auch Jungs missbraucht werden.

Woher ich das weiß? Weil ich betroffen bin.

Er hieß Siggi.

Ein bisschen wird mir heute noch schlecht, wenn ich darüber schreibe.

Ich war 14 und bin – nicht zum ersten Mal – von zu Hause ausgerissen. Gelandet bin ich in einer WG in Augsburg-Oberhausen. Witzigerweise wohne ich derzeit nur um die Ecke. Vielleicht fällt es mir deswegen wieder ein.

Nö. Es fällt mir nicht plötzlich wieder ein. Es war nie weg. Es ist wie ein Schatten auf meiner Seele. Ich habe bisher nur einmal mit jemandem darüber gesprochen – mit meiner Ex-Frau.

Wow, was für ein Rumgeeiere, um es nicht aufschreiben zu müssen.

Ja. Die WG in der Dietrichstraße 3. Ein Treffpunkt von Verlorenen. Kiffer, Kokser, Junkies – und ich.

Einer der Älteren, Siggi – ich denke, er war um die 20 – machte mir einen Vorschlag: „Geld verdienen! Wir fahren nach München in eine Schwulenkneipe und … ja, und dann …“

Ich war ein Kind. Beeinflussbar. In einer verletzlichen und prekären Situation. Siggi war groß, stark, mit einer dunklen Aura.

Okay. Dann sind wir in München in der Wohnung eines Typen gelandet, der in einem Sarg schlief. Ohne Scheiß. Das ist nicht erfunden, um es irgendwie spannender zu machen.

Gut – oder eher nicht – da ging es dann zur Sache. Drei Erwachsene: Siggi, der Vampir (ich nenn ihn jetzt mal so), noch ein weiterer Mann – und ich. Siggi hat nur zugesehen und das Geld kassiert. Übrigens: Ich habe nichts davon bekommen.

Details will ich dir – und mir – ersparen. Vor allem mir.

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