Visualisierung – aber richtig

Ist ja auch immer wieder so ein Thema: Man soll sein Ziel visualisieren, dann erreicht man es quasi automatisch. Der Körper, das Universum oder Gandalf der Graue machen den Rest…

Leider ist das Unsinn.

Also – diese Art von Visualisierung ist Unsinn. Diese Art und Weise ist nämlich vollkommen falsch.

Meine erste Frau war in der Nationalmannschaft im Bogenschießen. Die haben schon vor über 40 Jahren visualisiert. (Und ja, ich bin so ein alter Sack – ich war vor 40 Jahren das erste Mal verheiratet.)

Aber lass uns zum Thema zurückkommen.

Die haben NICHT visualisiert, wie sie als Sieger aufs Treppchen marschieren. Die haben auch NICHT visualisiert, wie der Pfeil im Gold einschlägt (die 9 und 10 auf der FITA-Zielscheibe ist goldfarben). NEIN!

Die haben die Bewegungsabläufe visualisiert. Wie sie den Bogen aufnehmen, wie sie die Sehne spannen, wie sie dabei atmen – und wie sie abschießen. (Oder heißt das abfeuern? Egal.)

Dazu gibt es übrigens auch Studien.

Lien Pham und Shelly Taylor von der University of California haben Studenten gebeten, zu visualisieren, wie sie eine anstehende Prüfung bestehen. Wie sie die gute Note in Empfang nehmen. Wie herrlich sie sich dabei fühlen.

Eine Kontrollgruppe sollte weiterleben wie bisher. Beide Gruppen sollten ein Tagebuch führen – unter anderem darüber, wie viel Zeit sie täglich zum Lernen aufwenden.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Die Gruppe der Visualisierer hat bei der Prüfung signifikant schlechter abgeschnitten.

Das Tagebuch lieferte den Beleg: Sie hatten weniger gelernt. Weil sie sich suggeriert hatten, dass die Prüfung ja schon erledigt ist.

Sie haben also nichts für ihr Ziel getan. Erfolg hat bekanntlich drei Buchstaben: TUN.

Wahrscheinlich wäre die Studie anders ausgegangen, wenn sie visualisiert hätten, wie sie sich mit einer Tasse Tee an den Schreibtisch setzen und ihr Lehrbuch aufschlagen.

Und da wird beim Visualisieren ein Schuh draus:

Visualisiere, wie du morgen deinen Tag gestaltest. Wie du die schwierigen Aufgaben als Erstes bewältigst. Wie du zum Sport gehst. Wie du gesundes Essen zubereitest. Wie du Kuchen auf der Party dankend ablehnst und nur Mineralwasser trinkst.

NICHT, wie du schlank und rank 30 Kilo abgenommen hast.

Auf diese Weise haben einige meiner Klienten – die mit dem Wunsch abzunehmen zu mir kamen – den Erfolg endlich erreicht.

Nicht, indem sie sich vorstellten, wie sie rank und schlank durch die Küche tanzen und dabei Käsekuchen verdrücken.

Sondern indem sie sich vorstellten, was sie tun müssen. Und es dann auch getan haben.

So viel zum Universum. Gandalf kann gerne zuschauen.

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2 Kommentare

  1. Ein klasse Beitrag schon wieder.

    Das Visualisieren bei Sportlern wird auch in der Hypnose genutzt. Aber selbst das reine Denken an den perfekten Lauf aktiviert und trainiert die echten Muskeln. Deshalb haben viele Sportler Erfolg damit, während klassische Zielerreichungsträume meist wenig bringen. Dennoch glaube ich, dass ein regelmäßiges Auseinandersetzen mit einem Zielzustand die entsprechenden inneren und äußeren Weichen stellen kann.

    1. Sich auf sein Ziel ausrichten, beispielsweise auch mit Visualisierung: Ja, auf jeden Fall! Aber nicht mit der Erwartungshaltung, dass dir dann das Universum oder wer auch immer den Wunsch erfüllt. Deine Aufmerksamkeit wird sicherlich gesteuert und du wirst Chancen und Möglichkeiten „sehen“ an denen du sonst wahrscheinlich vorbeigelaufen wärst.

      Ich finde da den Film „The Secret“ immer ein gutes Beispiel, da wird ja aufgezeigt, dass du nur visualisieren musst, dann kommt der Opa und schenkt dir ein Fahrrad… beim Opa mag das noch funktionieren. Aber ich frage mich immer, wie ist denn dann der Film und das Buch „The Secret“ entstanden? Lag das dann eines morgens so auf dem Nachttisch, nachdem Rhonda Byrne mal ein paar Stündchen visualisiert hatte?

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