Die große Täuschung
Die folgende Geschichte habe ich vor zwei Jahren auf Facebook geteilt. Ich finde sie immer noch genial – und sie passt perfekt zu dem, was ich immer wieder in meiner Arbeit beobachte.
Deshalb teile ich sie hier noch einmal – unbearbeitet.
Vor einigen Tagen begegnete ich bei einem Spaziergang einem Mann. Unablässig redete er, unter der prallen Sonne, auf seinen kleinen Sohn ein. Es schien, als wollte er ihn von etwas überzeugen.
„Du musst nur über Deinen Schatten springen!“
„Was?“
„Über den Schatten springen. Das sagt man so. Trau Dich endlich.“
Der Junge nahm es wörtlich und versuchte, wie geheißen, über seinen Schatten zu springen. Eine Weile lang beobachtete der Vater die erfolglosen Hüpfer, sichtlich ungerührt.
„Das funktioniert nicht“, klagte der Bub frustriert.
„Natürlich nicht. Das habe ich auch nicht gemeint.“
Der Sohn blickte ihn mit einer Mischung aus Verachtung und Hilflosigkeit an, fast so, als ob er um die Freigabe zur Adoption bitten wollte.
Doch dann nahm er Anlauf und sprang mit einem Jauchzer über den Schatten seines Vaters.
Der Mann hinterließ nicht den Eindruck, als hätte er die tiefere Bedeutung dieses Augenblickes erkannt.
Während der, von mir so genannten „großen Täuschung“ in unserer Kindheit übernehmen wir die Schatten unserer Eltern. Die meisten von uns springen nie darüber hinweg.
Und du?
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Übrigens: Der oben geschilderte Spaziergang hat nie stattgefunden. Die Geschichte wurde damals von Karl-Theodor zu Guttenberg erzählt.
