Warum wir perfekt sein wollen
Zu den Schattenseiten von Perfektionismus habe ich ja schon mal einen Beitrag geschrieben – den findest du hier.
Aber wie entsteht er eigentlich?
Perfektionismus wird meist als eher positive Eigenschaft angesehen – vielleicht besonders in Deutschland. In Griechenland beispielsweise sind Perfektionisten meist weniger beliebt – sie gelten dort ein bisschen als „typische Deutsche“.
Aus psychologischer Sicht steckt aber meist etwas dahinter, das weniger geschätzt wird.
Der Mensch ist ein Rudeltier. Als Einzelgänger haben wir so gut wie keine Überlebenschance – ganz abgesehen vom Fortpflanzungstrieb. Deshalb ist unser Unterbewusstsein, sind unsere Ur-Instinkte darauf ausgerichtet, dass wir nicht aus dem Rudel ausgestoßen werden.
Das war noch bis vor wenigen hundert Jahren ein Todesurteil. Aus der Stadt vertrieben zu werden, war im Mittelalter eine harte Strafe – und noch viel mehr in Urzeiten vor ein, zwei Millionen Jahren.
Wenn du also wiederholt die Erfahrung machst, dass Fehler zu Ablehnung, Beschämung oder Liebesentzug führen, kann daraus die Angst entstehen, dass du aus dem Rudel ausgestoßen wirst.
Ein logischer Gedanke könnte dann sein: Ich muss alles 100 % richtig machen.
Perfektionismus ist dann keine Stärke – sondern eine Schutzstrategie. Sie soll verhindern, dass wir aus dem Rudel ausgestoßen werden.
Das Problem habe ich in meinem anderen Beitrag schon beschrieben: Du kommst nicht in die Puschen. Und vielleicht wirst du dann aus dem Rudel ausgeschlossen, weil du nichts tust.
Dir hat der Artikel gefallen? Dann registrier dich kurz – ich schicke dir höchstens einmal pro Woche eine Benachrichtigung, wenn neuer Lesestoff da ist.
