|

Gefühle sind Fragen

Eine sehr nützliche Sichtweise – gerade bei Bindungstraumata – ist, Gefühle nicht mehr als wichtig oder aussagekräftig zu betrachten, sondern sie eher als Fragen zu sehen.

Du hörst sicher oft Sätze wie „Mein Gefühl sagt mir, dass …“ – wahrscheinlich sagst oder denkst du so etwas selbst oft.

Genau genommen ist es aber andersrum: Dein Gefühl entsteht, weil du etwas gesagt – oder genauer: etwas beurteilt, bewertet hast.

Wissenschaftlich betrachtet ist ein Gefühl „nur“ eine Hormonausschüttung, die dein Körper selbst macht.

Ein einfaches Beispiel:

Du gehst abends durch eine dunkle Seitenstraße nach Hause. Halbbewusst hörst du Schritte hinter dir. Du denkst so etwas wie: „Gleich wird jemand über mich herfallen.“

Was passiert? Du bekommst ein mulmiges Gefühl, einen Schreck – vielleicht sogar richtig Angst.

Das Gefühl ist also aufgrund deiner Beurteilung entstanden, dass Gefahr droht. Nicht die Angst sagt dir, dass Gefahr droht – du hast es dir selbst gesagt. Und deshalb ist die Angst entstanden.

Das zu erkennen, ist ein extrem wichtiger Schritt.

Das können wir auch kaum abschalten – unsere Ur-Instinkte machen das seit Millionen von Jahren. Aber: Wenn du das Gefühl als Frage siehst – „Besteht hier eine Gefahr?“ – dann guckst du dich um und merkst vielleicht, dass das, was du gehört hast, nur das Echo deiner eigenen Schritte war. Da ist gar niemand.

Ein häufiges Symptom von Bindungstrauma ist die Angst vor Bindung und Nähe – die Bindungsangst: Sobald eine Beziehung tiefer und verbindlicher wird, verspüren Betroffene starke Fluchttendenzen oder Panik. Intimität wird als Bedrohung empfunden, weil sie mit der Angst vor erneuter Verletzung verbunden ist. (Formulierung einer KI)

Wenn du jetzt diese Panik, diese Angst vor Verletzung (also das Gefühl) nicht als Fakt, sondern als Frage betrachten kannst – was passiert dann?

Dann kannst du wahrscheinlich tausendfach entspannter hinschauen.

Will er oder sie mich denn verletzen?

Die Königsdisziplin wäre in so einem Fall, den Partner einfach zu fragen:

„Willst du mich verletzen?“

Daraus könnte das wichtigste Gespräch deines Lebens entstehen.

Vielleicht ist dein Gefühl gerade eine Frage. Und vielleicht willst du sie nicht alleine beantworten. Meine Kontaktseite.


Dir hat der Artikel gefallen? Dann registrier dich kurz – ich schicke dir höchstens einmal pro Woche eine Benachrichtigung, wenn neuer Lesestoff da ist.

📬 Blog abonnieren

Ähnliche Beiträge