Mein Lieblingsmensch

Vor ein paar Monaten stellte jemand in einer Skool-Community die Frage: „Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?“

Ich kommentierte: Dass meine Ex-Frau wieder gesund ist.

Jemand meinte dann: „Was juckt dich das, ist doch nur deine Ex.“

Viele werden ähnlich denken – seinen Exen wünscht man ja eh die Pest an den Hals. Das war bei mir grundsätzlich nie so, bei keiner Freundin oder Frau. (Ich war zweimal verheiratet, hatte aber nur drei längere Beziehungen. Die anderen dauerten oft nur wenige Tage bis Wochen – da tun sich eh noch keine Abgründe auf.)

Und die Angelika war besonders. Meine große Jugendliebe. Die Mutter meiner Töchter. Mein Lieblingsmensch. Der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Zusammen zu leben haben wir nicht geschafft – insbesondere meine Beziehungstraumata standen zwischen uns. Zweimal waren wir ein Paar: 1,5 Jahre, später dann 14 Jahre. Aber wir waren unser ganzes Leben in tiefer Liebe verbunden.

Die Angelika ist vor Kurzem verstorben. Am 09.09.2026, im Alter von 64 Jahren. Krebs.

Dem Typ von da oben habe ich eine wenig höfliche Antwort gegeben. Dann war er sauer und meinte, er will nichts mehr mit mir zu tun haben.

Ich musste lachen. Die Angelika hätte auch gelacht.

Die Frage, die ich mir gerade stelle, ist: Was nehme ich mit?

Mein Freund und Mentor Bodo Deletz hat eine Woche vor ihrem Tod davon erzählt, dass Menschen, die durch einen Unfall eine Querschnittslähmung erlitten hatten, nach etwa einem Jahr wieder auf dem gleichen Zufriedenheits- und Glückslevel sind wie vorher – zumindest die meisten.

Es gibt aber auch welche, denen es danach sogar besser geht als vorher. Das waren die, die sich mit ihrem Leben in dieser Zeit auseinandergesetzt hatten.

Das hat mich sehr beschäftigt.

Und ich habe mir die Frage gestellt: Was nehme ich mit aus der Geschichte mit der Geli?

Aus fast 50 Jahren unserer gemeinsamen Liebes- und Lebensgeschichte. Und jetzt – nach ihrem Tod?

Nicht mit dem Ziel, dass es „mir besser geht“. Sondern weil ich denke, dass das viel zu meiner Heilung beitragen kann. Zu unserer Heilung. Zur Heilung der Welt. Der Liebe.

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