Die eine Hand zieht, die andere stößt

Der Tod meiner Ex-Frau – vor jetzt einer Woche – beschäftigt mich momentan noch sehr. Mit der Frage und mit der Traurigkeit darüber, dass wir es nicht geschafft haben, unser Leben zusammen zu verbringen.

Ich habe es in einem anderen Beitrag schon mal geschrieben: Wir haben uns im Spätsommer 1978 kennengelernt. Angelika war meine große Liebe – und ich ihre. Sie sagte mal, sie hat sich in mich verliebt, weil ich so sensibel ausgesehen habe …

Wir waren dann etwas über 1 ½ Jahre ein Paar. Sie war meine „Erste“ – ich wollte noch andere Frauen. Darüber haben wir gesprochen. Ich glaube, sie hätte sich für ein Leben mit mir festgelegt.

1996 haben wir uns zufällig wiedergetroffen – in einer Kneipe. Nach einigen Minuten haben wir Händchen gehalten. Drei Monate später war sie mit unseren Zwillingen schwanger.

Im April 1997 haben wir geheiratet – fünf Tage später hat sie unsere Kinder zur Welt gebracht.

Am Neujahrstag 2010 habe ich mich wieder getrennt.

„Als Paar konnten wir uns irgendwie nicht zusammenraufen“ – habe ich in dem anderen Blogpost geschrieben. Eingangs habe ich geschrieben, dass „wir“ es nicht geschafft haben.

Aber das ist nicht wahr.

Nicht „wir“. Ich war beziehungsunfähig.

Ich habe es später mal so beschrieben: Ich habe die Geli ständig mit der einen Hand an mich gezogen – und gleichzeitig mit der anderen von mir weggestoßen.

Das trifft es gut.

Chaotische Beziehungsmuster aufgrund eines Bindungstraumas nennt man das.

Die Betroffenen zeigen widersprüchliches Verhalten – sie ziehen Partner an und stoßen sie dann plötzlich und heftig ab. Dieses ständige Auf und Ab führt zu emotional erschöpfenden und instabilen Beziehungen.

Nicht nur bei mir. Vor allem auch für die Geli war das erschöpfend.

Wahrscheinlich ist das bei vielen psychischen, neurotischen Störungen so – es macht den Partner mürbe.

Wo diese Dynamik herkommt?

Dieses Muster entsteht immer in der Kindheit – wenn man Bezugspersonen als unberechenbar erlebt. Mal liebevoll und zugewandt, mal abweisend oder strafend.

Das Kind lernt dann: „Um zu überleben, muss ich die Nähe suchen. Aber gleichzeitig darf ich mich nicht wirklich darauf einlassen, weil es sonst wehtut.“

Dieses Muster lebt dann in all deinen Beziehungen weiter. Auch in Freundschaften, mit anderen Familienmitgliedern, Arbeitskollegen, dem Chef.

Alles andere als „gesund“.

Was hätte es gebraucht?

Meine Einsicht in dieses Muster – und der Wille, es zu durchbrechen. Und wahrscheinlich therapeutische Begleitung, um die dahinterliegenden Ängste aus der Kindheit zu verarbeiten.

Heute tut es mir unendlich leid, dass ich es nicht erkannt habe.


Dir hat der Artikel gefallen? Dann registrier dich kurz – ich schicke dir höchstens einmal pro Woche eine Benachrichtigung, wenn neuer Lesestoff da ist.

📬 Blog abonnieren

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

Die Kommentare sind geschlossen.