Du duckst dich weg.
Egal ob es um die Auseinandersetzung mit deinem Chef geht, mit der Partnerin oder mit der Kassiererin im Aldi: Wenn man mal Tacheles reden müsste, duckst du dich weg – vielleicht „um des lieben Friedens willen“ oder was auch immer deine Ausrede ist.
Und ich will dich jetzt nicht beschämen. Ich will dir auch keinen Quatsch erzählen von wegen „starker Mann, der sich durchsetzt“.
Mir ging es über Jahrzehnte ganz genau so.
Vordergründig die Angst um den Job. Die Angst um die Partnerschaft. Oder dass ich an der Kasse keinen Aufstand machen will – weil … ja, warum überhaupt?
Vorgestern in der Dönerbude. Ich war der einzige Gast. Es hat trotzdem ewig gedauert, bis ich mein Essen bekam.
Dann habe ich halt nachgefragt. Freundlich. Was ist denn los, warum dauert es so lange?
Das „Fast“ in Fast Food kommt aus dem Englischen und heißt „schnell“ – auch wenn man sich manchmal denkt, es bedeutet, dass es fast was zum Essen ist.
Ich hatte vorher kurz überlegt: Und wenn er mir dann ins Essen spuckt?
Aber was steckt eigentlich dahinter, dass man es nicht wagt, für sich einzustehen?
Das heißt ja nicht, dass man überall Recht haben muss. Wenn sich in der Diskussion ergibt, dass der andere Recht hat – niemand bringt mich um, wenn ich dann sage: „Oh, du hast Recht, sorry.“
Der Dönermann hat die Pommes frisch gemacht – das dauert etwas länger. Ich war zwar dennoch nicht zufrieden, aber er hatte einen plausiblen Punkt. Das Fleisch, das er schon auf den Teller gepackt hatte, war mittlerweile kalt. Hab das Zeug zurückgegeben und bin nebenan in den Kentucky Fried Chicken.
In den meisten Fällen steckt ein niedriger Selbstwert hinter solch einem Verhalten.
Merkst du auch oft, wenn du jemanden bewunderst, der es macht – und du dir denkst: „Ja, DER kann das. ICH kann das nicht.“
Du traust es dir nicht zu. Du „kannst“ es nicht – weil du dir einen zu niedrigen Selbstwert gibst.
Früher habe ich das auch oft mit Aggression überkompensiert. Um meine Angst, meine Unsicherheit zu kompensieren, wurde ich aggressiv. Was übrigens auch keine Lösung ist.
Heute bin ich entspannt, ruhig – und sage, was mir nicht gefällt. Und witzigerweise hatte ich noch nie ein Problem damit. Die vorgeschobenen Ängste – „Ich verliere meinen Job“, „Der spuckt mir ins Essen“ – oder was auch immer: Sie finden nie statt.
Und wenn du jetzt denkst: „Ja, du kannst das … ich nicht.“
Dann sage ich dir: Doch, du kannst das. Jeder kann das.
Es gibt Wege, ein niedriges Selbstwertgefühl wieder oder auch neu aufzubauen. Und der Weg ist noch nicht mal besonders lange oder steinig.
Ich weiß das, weil ich Wege kenne.
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