Deine Gefühle – und die Falle dahinter
Gestern habe ich meinen Beitrag „Follow the science“ in einer Skool-Community gepostet. Darunter entstand eine Diskussion – und irgendwann fiel dieser Satz:
„Grade weil ich selber auch viel ‚nach Gefühl‘ gehe …“
Ehrlich gesagt: Ich finde diesen Satz noch dümmer als „Follow the science“.
Warum? Weil du etwas (dein Gefühl) – das du selbst gemacht hast – zum Maßstab für Entscheidungen machst.
Ich muss vielleicht ein bisschen ausholen.
Wir machen unsere Gefühle selbst. Sie entstehen nicht einfach so im luftleeren Raum. Und es ist auch nicht so, dass jemand Gefühle in uns reinstopft.
Ich nenne das: Gefühle sind das Ergebnis eines Informationsverarbeitungsprozesses.
Stark verkürzt bedeutet das: Du beurteilst eine Situation als gefährlich – und dann entsteht Angst. Oder andersrum: Du beurteilst eine Situation als angenehm – und dann entsteht Wohlgefühl.
Und jetzt nimmst du dieses Gefühl als Basis für weitere Entscheidungen: „Ich habe ein gutes Gefühl, also ist das gut – weiter so.“
Genau so arbeiten Heiratsschwindler.
Der Heiratsschwindler macht dir Komplimente, gibt sich zärtlich und liebevoll, um in dir positive Gefühle zu wecken. Und weil du ein so gutes Gefühl bei ihm hast, vertraust du ihm – und leihst ihm Geld. Er hat ja nur einen kurzzeitigen Engpass, das Erbe der Tante aus Amerika ist unterwegs, und dann gibt er dir das Geld doppelt und dreifach zurück.
Wie so etwas ausgeht, kannst du hin und wieder in der Zeitung lesen.
Selbst eine kluge, gestandene Unternehmerin wie Susanne Klatten (BMW-Erbin) ging so einem Typen auf den Leim.
Aber das Gefühl hast du selbst gemacht – durch deine Beurteilung: „Das ist ein toller Mensch.“
und jetzt nimmst du dieses Gefühl und sagst „ich hab ein gutes Gefühl bei ihm, das muss ein toller Mensch sein“ klingt ein bisschen bekloppt, oder? Ist es auch.
Also: Nichts gegen Gefühle. Gute Gefühle zu haben, ist unser Lebenszweck.
Aber verwechsle hier nicht Ross und Reiter.
