Follow the science? Ja, aber nicht blind!
Ich bin nicht der Typ für blindes „Follow the science“. Ich bin ja aus der Generation Contergan – meiner Mutter wurde es verordnet, sie hat es nicht genommen, weil sie „ein schlechtes Gefühl“ hatte. Falls dir Contergan nichts sagt: Hier habe ich die Wikipedia-Seite dazu verlinkt.
1. Der Spinat-Mythos – Das Missgeschick im Labor
- Der Glaube: Generationen von Kindern mussten Spinat essen, weil er als absolute „Eisenbombe“ galt – Basis für den Comic-Helden Popeye.
- Die Realität: Der Wissenschaftler Gustav von Bunge untersuchte 1890 getrockneten Spinat statt frischen Spinat. Da frischer Spinat zu 90 % aus Wasser besteht, konzentriert sich das Eisen beim Trocknen extrem. Frischer Spinat hat nur etwa 3,5 mg Eisen pro 100 g – und die Oxalsäure im Spinat blockiert die Aufnahme im Körper zusätzlich. Das Eisen ist für den Körper also kaum verfügbar.
2. Das statische Universum – Einsteins größter Irrtum
- Der Glaube: Bis ins frühe 20. Jahrhundert waren Astronomen – einschließlich Albert Einstein – überzeugt, dass das Universum starr und unveränderlich ist. Einstein baute sogar eine extra „Schummel-Zahl“ (die kosmologische Konstante) in seine Formeln ein, damit sein Weltbild mathematisch aufging.
- Die Realität: 1929 entdeckte Edwin Hubble, dass sich Galaxien von uns wegbewegen – das Universum dehnt sich aus! Einstein strich seine Konstante und nannte die Idee vom statischen Universum später den „größten Eselstritt“ seines Lebens. Diese Korrektur ebnete den Weg für die heutige Urknall-Theorie.
3. Der 10-Prozent-Mythos – Die ungenutzte Superkraft?
- Der Glaube: Filme, Bücher und Coaches erzählen uns gerne, dass wir Menschen nur mickrige 10 % unseres Gehirns nutzen. Würden wir den Rest aktivieren, könnten wir Telekinese lernen oder Genies werden.
- Die Realität: Die moderne Hirnforschung zeigt mittels MRT-Scans ein ganz anderes Bild: Wir nutzen nahezu 100 % unseres Gehirns. Selbst im Schlaf oder bei einfachsten Aufgaben arbeiten fast alle Bereiche der Denkzentrale Hand in Hand. Jeder Teil hat eine feste, wichtige Aufgabe.
Insbesondere die Funktionsweise des Gehirns ist für meine Arbeit natürlich sehr interessant. 80 % von dem, was wir heute über das Gehirn wissen, verdanken wir modernen Gehirnscans aus CT und MRT – und ein Großteil dessen, was „die Wissenschaft“ vorher zu wissen glaubte, stellte sich als falsch heraus.
Deshalb ist es für mich wichtig: Alte Mythen nicht blind zu übernehmen, mir die Ergebnisse der Forschung genau anzusehen – und nicht zuletzt meinen gesunden Menschenverstand eingeschaltet zu lassen. (Ich setze mal voraus, dass ich so etwas wie Verstand habe. 😉🥳)
Ich denke, das Wesen der Wissenschaft ist auch das kritische Hinterfragen – das machen Wissenschaftler selbst, wenn sie ihre eigenen Erkenntnisse und die anderer auf den Prüfstand stellen.
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