Gut Genug

Kennst du dieses nagende Gefühl in dir, dass du nicht gut genug bist?

Wenn ja – lies weiter.
Wenn nein – spar dir die 3 Minuten. Dieses Thema geht dich nichts an.

Ich habe selbst sehr lange darunter gelitten. Heute fällt es mir noch manchmal auf – zum Beispiel bei Konflikten, wo ich vollkommen anders reagiere als noch vor ein paar Jahren.

Ich war leitender Angestellter. Hauptabteilungsleiter in einem Verlag. Der einzige Hauptabteilungsleiter, direkt der Geschäftsführerin unterstellt. Ich leitete vier Abteilungen – auch außerhalb meines eigentlichen Fachbereichs. Die Verantwortung dafür habe ich im Laufe der Zeit dazu bekommen, weil die Geschäftsführer (bzw. Geschäftsführerin – es wechselte dreimal während meiner Zeit dort) wohl bemerkt haben, dass ich das ziemlich gut mache.

Gleichzeitig: Ich habe nicht mal einen Hauptschulabschluss.

Wie schon irgendwo hier geschrieben: Ich stamme aus etwas schwierigen familiären Verhältnissen. Das äußerte sich auch darin, dass ich Schulschwänzer war. Teilweise stand im Zeugnis nicht mal eine Note – sondern der Satz: „Aufgrund des häufigen Fernbleibens des Schülers vom Unterricht konnte keine Benotung erfolgen.“

Die anderen Abteilungsleiter hatten durchwegs studiert, einige promoviert. In einer meiner Abteilungen hatte ich neben mehreren Studierten auch einen promovierten Mathematiker. Ich war der Boss. Ich war sehr erfolgreich. Ich hatte von allen Abteilungsleitern das höchste Gehalt und das höchste Budget, für das ich verantwortlich war.

Und ich hatte das Imposter-Syndrom.

Ich fühlte mich als Hochstapler. Sogar meinen eigenen Mitarbeitern unterlegen.

Woher kommt so was?

Mein Vater hat einige Male Sätze fallen lassen wie: ‚Aus dir wird mal eh nichts.‘ Das hat sich eingebrannt. Und es war nicht nur er – es war die ganze Botschaft, die wir als Kinder alle hören: Du zählst nur, wenn du etwas leistest.

Ich war zwar sehr erfolgreich – aber mein Dämon war immer noch der aus der Kindheit: „Aus dir wird mal eh nichts.“ „Du kannst nichts.“ “ Du bist nichts.“

Wie eingangs geschrieben: Heute fällt es mir noch manchmal auf – zum Beispiel bei Konflikten, wo ich vollkommen anders reagiere.

Neulich hatte ich eine Auseinandersetzung mit meiner derzeitigen Chefin im Hotel. Früher war ich bei solchen Anlässen sofort angespannt, habe meine Position meist nicht gut vertreten können – wenn überhaupt, wurde ich eher aggressiv, habe begonnen zu drohen oder wurde laut. Weil ich mich, meine Stellung in Gefahr gesehen habe.

Heute sehe ich mich als gleichwertig und kann gelassen mit Konflikten umgehen.

Ich war entspannt. Habe ihre Widersprüche thematisiert. Das Ende: Sie wurde nervös. Nicht ich.

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