Von den Kindern
„Viele Eltern würden alles für ihre Kinder tun – außer sie so sein zu lassen, wie sie sind.“
Ein schönes Zitat des weltbekannten Streetart-Künstlers Banksy.
Für mich war das Gedicht „Von den Kindern“ von Khalil Gibran so was wie ein Leitfaden. (Den Text habe ich am Ende dieses Beitrags eingefügt.)
Die Kernaussagen des Textes sind:
- Kein Besitz: Kinder kommen durch die Eltern, aber sie gehören ihnen nicht. Sie sind eigenständige Lebewesen mit eigenen Gedanken und Seelen.
- Liebe statt Zwang: Eltern können Liebe und ein Zuhause geben, aber nicht ihre eigenen Gedanken oder die Zukunft der Kinder bestimmen.
- Der Bogen und die Pfeile: Eltern sind der Bogen, von dem die Kinder wie lebende Pfeile in die Zukunft geschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit.
Andere würden meinen Erziehungsstil als Laissez-faire bezeichnen. Viele würden sagen: „Aus diesen Kindern wird nichts – oder nichts Gescheites. Vielleicht Junkies oder Axtmörder.“
Ich finde: Diese Haltung der Nichteinmischung, des Gewährenlassens und des Verzichts auf strenge Regeln hat mir zwei supertolle, selbständige, zuverlässige Töchter eingebracht. Die einen anständigen Beruf gelernt haben – eine macht gerade eine Weiterbildung zur Fachwirtin, die andere ist sehr erfolgreich in einem anspruchsvollen Job im Tourismus.
Heute kümmern sie sich, neben ihrem Job und ihren persönlichen Interessen, liebevoll um ihre schwer kranke Mutter – mit der Ansage, dass sie sich selbst an diese Zeit mit Liebe zurückerinnern möchten.
Von den Kindern
– Khalil Gibran
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
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