Visualisieren – ja, aber richtig!
(Bezieht sich auf den Screenshot: Der Gruppengründer der Neurohacking Community hat meinen Kommentar im Monatsrückblick herausgestellt. Darum geht’s.)
Kennst du diese Idee des Visualisierens? Du sollst dir deine Ziele vorstellen – möglichst farbig. Villa am Meer. Party. Endgeiler Sportwagen. Endgeile Yacht. Und die tollsten Frauen (respektive Männer) vernascht du dann auch noch. Und zack – erreichst du dein Ziel von ganz alleine.
Stammt ursprünglich aus Napoleon Hills „Denke nach und werde reich“. Wird seitdem von tausenden Erfolgsratgebern kopiert.
Wissenschaftlich längst widerlegt. Das Buch selbst ist eher fragwürdig. Auch die Geschichte dahinter – er hätte von Dale Carnegie den Auftrag bekommen, Reiche zu interviewen – ist durch nichts belegt. Weder bei Carnegie noch bei den angeblich Interviewten wurde auch nur ein einziger Beleg gefunden.
Aaaaaber: Ein bisschen was ist schon dran. Nur anders als gedacht.
Was belegt ist – durch Studien und durch meine Erfahrung:
Das Visualisieren des Ergebnisses ist nutzlos. Oft sogar schädlich.
Das Visualisieren des Tuns ist sehr nützlich.
Meine erste Frau Sabine war in der Nationalmannschaft im Bogenschießen. Die haben schon vor 40 Jahren visualisiert – aber NICHT, wie sie nach dem Turnier auf dem Siegertreppchen stehen.
Sie haben den Bewegungsablauf visualisiert. Und so wird es in vielen Sportarten gemacht – mit nachgewiesenen positiven Ergebnissen. Man hat das zum Beispiel mit Basketballspielern getestet: Diejenigen, die das Werfen von Körben visualisiert haben, haben später im Spiel signifikant mehr Körbe geworfen.
Und so mache ich es beim Thema Sucht:
Beim Bearbeiten von Süchten – Alkohol, Rauchen, Overeating – visualisiere ich mit meinen Mentees gerne, wie es ist, wenn du z. B. nicht mehr rauchst.
Wohin mit deinen Händen? Was machst du, wenn die Kollegen in die Raucherpause gehen? Was, wenn dir jemand ein Bier anbietet und auf dein freundliches „Nein, danke“ mit „Ach komm, eins geht doch“ antwortet? Was sagst du dann? Wie reagierst du?
Das alles kannst du visualisieren – damit du, wenn es soweit ist, den Weg schon kennst. Ihn schon mal gegangen bist. Wenn auch nur in deiner Phantasie.
Das Visualisieren, wie du auf das Siegertreppchen steigst, kannst du getrost bleiben lassen.
